Täufergemeinden

Samuel Heinrich Fröhlich und die Tauffrage

Im 19. Jahrhundert beschäftigte sich der schweizer Theologe Samuel Heinrich Fröhlich (1803-1857) mit der Frage, ob es richtig wäre, Kinder zu taufen. Er kam statt dessen zu dem Schluss, dass jeder Mensch selbst entscheiden müsse, ob er sich taufen lassen will oder nicht. Er begann "seine" Theologie öffentlich zu predigen und sprach sich gegen die Taufe von Kindern aus. Seine Predigten fanden regen Zulauf aus der Bevölkerung. Wegen der progressiven Inhalte wurde er jedoch 1830 abgesetzt.

Gründung der ersten Täufergemeinden

Angetrieben vom Missionsbefehl aus Matthäus 28 startete Fröhlich missionarische Reisen, um das Evangelium und seine Überzeugungen unter die Menschen zu bringen. 1832 taufte Fröhlich 38 Neubekehrte und nahm mit ihnen das Abendmahl ein. Mit diesem Ereignis gilt Fröhlich als Begründer der Evangelischen Täufergemeinden (ETG), obwohl die Gründung einer neuen Gemeinschaft nicht in seiner Absicht lag. Durch seinen missionarischen Eifer entstanden weitere Gemeinden in der Schweiz, in Frankreich und in Süddeutschland. Die ETG blieb auch nach dem Tod ihres Gründers missionarisch tätig und so entstanden weitere Gemeinden in Nord- und Südamerika sowie in Mittel- und Westeuropa.

Distanz zu anderen Kirchen

Aufgrund der von ihm vertretenen Lehre, die bei Staat und Kirche auf Widerstand stieß, wurde Fröhlich aus verschiedenen Schweizer Kantonen ausgewiesen, und fand schließlich im Exil in Straßburg eine dauerhafte Bleibe. Dementsprechend schlecht war das Verhältnis der neu gegründeten ETG-Gemeinden und den Landeskirchen. Auch mit anderen Freikirchen kam es durch die teilweise extremen Ansichten Fröhlichs zum Bruch.

Institutionalisierung der ETG

Um die Jahrhundertwende spaltete die Frage, ob Männer einen Oberlippenbart tragen dürfen, die Täufergemeinden in einen konservativen und in einen liberalen Teil. Anfang des 20. Jahrhunderts begannen sich die liberaleren Gemeinden zu institutionalisieren.

Daraufhi ist Mitte des 20 Jahrhunderts der Evangelische Missionsdienst (EMD) entstanden und man hat begonnen, Missionare in alle Teile der Welt auszusenden und zu vermitteln.  

Immer mehr Gemeindehäuser sind entstanden. Es wurden sogar Alten- und Freizeitheime gebaut. Man begann ETG übergreifende (Jugend-) Freizeiten durchzuführen, die noch heute existieren. In Deutschland ist das Freizeitheim "Lindenwiese" gebaut und 1972 eingeweiht worden.

1984 wurde der „Bund Evangelischer Taufgesinnten“ als Dachverband der ETG gegründet. Die Beziehungen zu anderen Freikirchen haben sich merklich verbessert. In einem Leitbild der ETG Bundesleitung von 1995 wird es so formuliert: "Innerhalb dieser Gemeinschaft aller Christen beanspruchen die Evangelischen Täufergemeinden keine Sonderstellung. Sie sind offen, von anderen Christen und Kirchen Aspekte des Reiches Gottes kennenzulernen, die in der eigenen Tradition nicht oder weniger deutlich vorhanden sind."