Das Frühgebet

Es ist Dienstag, 4:59 Uhr – der Wecker klingelt. Augen auf, Wecker aus, Augen zu. 5:03 Uhr – der 2. Wecker klingelt. Augen auf, Wecker aus, Licht an. Ich stehe auf, gehe ins Bad und dann rein ins Auto. Los geht es zur Liwi. Jetzt ist es 5:55 Uhr, im Foyer sitzen schon mehr als eine Handvoll Menschen. Manche Augen sind wach, andere schauen etwas verträumt vor sich hin. Noch eine Handvoll Menschen kommt dazu. Jetzt wird gesammelt: „Was für Anliegen gibt es heute?“ Es wird ausgetauscht: Namen und Gesundheitszustände von Kranken, kommende oder zurückliegende Gemeindeveranstaltungen, die Zukunft der Gemeinde und was eben sonst noch aktuell ist.
Jetzt sind auch die letzten eingetrudelt, wir alle machen uns auf den Weg in den Gottesdienstsaal.
Und nun beginnt der Tag mit Gebet. Erst hören wir die Tageslosung, dann singen wir für Gott. Manche Stimmlippen sind schon kräftig am Schwingen, andere bewegen sich noch nicht ganz so reibungslos am frühen Morgen. Doch um die Verfassung der Stimme geht es nicht. Es geht darum, dass wir Gott loben - auch um 6:13Uhr am Dienstagmorgen. Dann danken wir Gott mit unseren eigenen Worten für das, was er uns gibt. Aber wir bitten ihn auch für die Dinge, die uns beschäftigen, für unsere Nöte, unsere Wünsche, unsere offenen Fragen. Wir machen uns eins vor Gott als Teil der Gemeinde, stehen gemeinsam vor ihm und bitten um sein Eingreifen. Da liegt Kraft drin. Dabei heißt es „dranbleiben“, auch wenn ein Anliegen 5, 10 oder 15 Wochen aktuell ist. Es folgt: Stille. Stille vor und mit Gott - sie findet genauso ihren Platz an diesem frischen, neuen Tag. Zum Schluss singen wir gemeinsam das Vaterunser. Es ist nun 7:00 Uhr - so füllt sich eine ganze Stunde mit Gebet. Die Runde löst sich wieder auf. Jeder geht in seinen Tag hinein, der begonnen hat mit Gebet. Mein Kopf nimmt Nebenwirkungen für den Tag mit. Er singt noch einige Stunden: „Vater unser, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name, ...“ Und das sind ausnahmsweise mal gute Nebenwirkungen.
Es ist schon etwas Besonderes, das frühe Gebet. Jesus hat es getan. Wir tun es heute: Am Morgen Zeit nehmen für Gott – als Gemeinde vor Gott für Gott, für uns, für die Gemeinde.

Eigentlich heißt das frühe Gebet korrekt „Frühgebet“ und findet tatsächlich

jeden Dienstag von 6 bis 7 Uhr in der Liwi

statt – und das schon einige Jahre. Jeder, der dabei sein will und kann, ist natürlich herzlich eingeladen. Vielleicht ist es ja für den einen oder anderen eine Chance, sich aufzuraffen zum Gebet oder zur Pflege der geistlichen Gemeinschaft in der Gemeinde ...